ZU DEN KURSEN!

Betriebswirtschaftslehre (Mündliche Prüfung) - Finanzanalyse

Kursangebot | Betriebswirtschaftslehre (Mündliche Prüfung) | Finanzanalyse

Betriebswirtschaftslehre (Mündliche Prüfung)

Finanzanalyse

Die Finanzanalyse ist die Weiterführung der Investitionsanalyse und setzt zum Teil die gleichen Formeln ein.

 

Die Ergebnisse der Finanzanalyse werden benötigt für

 

  • die Ermittlung des Kapitalbedarfs und
  • die Ermittlung der finanziellen Stabilität des Unternehmens.

 

In diesem Bereich werden daher die Struktur des Unternehmensvermögens und die Zeitdauer der Vermögensbindung untersucht.

 

Das Verhältnis von Anlage- zu Umlaufvermögen

 

Daraus lassen sich im Wesentlichen zwei Aussagen treffen:

 

  1. Von der Größe des Umlaufvermögens hängt die Flexibilität des Unternehmens ab. Die vermögensmäßige Flexibilität eines Unternehmens ist aber auch für seine Stabilität entscheidend.
    Die Flexibilität eines Unternehmens erhöht sich mit der relativen Zunahme des Umlaufvermögens am Gesamtvermögen; dies resultiert aus zwei Überlegungen:
  • Ist das Vermögen kurzfristig gebunden, bedeutet dies ein erhöhtes Liquiditätspotential. Dieses Potential spricht für eine vergleichsweise schnelle Anpassungsfähigkeit des Unternehmens an geänderte Marktanforderungen. Aus diesem Anpassungsvermögen ergibt sich wiederum die Stabilität des Unternehmens.
  • Vergleichsweise nur kurzfristig gebundenes Vermögen verursacht geringere Fixkosten; dies wiederum mindert das wirtschaftliche Risiko.
  1. Ein geringerer Anteil des Anlagevermögens am Gesamtvermögen spricht für eine vergleichsweise optimale Kapazitätsausnutzung und Ertragslage.

 Sämtliche Aussagen gelten jedoch nicht uneingeschränkt:

 

Beim Vergleich von Unternehmen verschiedener Branchen muss ein unterschiedlicher Automatisierungsgrad berücksichtigt werden, da sich dieser in der Höhe des Anlagevermögens widerspiegelt.

 

Daneben ist zu berücksichtigen, dass die Werte des Umlaufvermögens in der Regel auf vergleichsweise aktuellen Preisverhältnissen beruhen, während beim Anlagevermögen, bedingt durch die Bewertungsvorschriften, meist historische Anschaffungskosten berücksichtigt werden.

 

Um die Ergebnisse der Relationen belastbarer zu machen, sind noch andere Informationen zu berücksichtigen.

 

Die Umsatzrelationen

 

Folgende Relationen sind bedeutsam:

 

  • Sachanlagen zu Anschaffungskosten im Verhältnis zu den Umsatzerlösen
  • Vorräte im Verhältnis zu den Umsatzerlösen
  • Fertigerzeugnisse und Waren im Verhältnis zu den Umsatzerlösen

 

Aus diesen Relationen können Rückschlüsse auf die Entwicklung der Geschäftstätigkeit gezogen werden. Allerdings beinhalten auch diese Relationen gewisse Fehlerquellen, was nachstehend verdeutlicht werden soll: In einem Unternehmen steigt die Relation Anlage- zu Umlaufvermögen. Wie vorstehend dargestellt, wird daraus eine sich verschlechternde Kapazitätsauslastung abgeleitet (das Umlaufvermögen wird hier als Gradmesser der Beschäftigung verwendet).

 

Gleichzeitig sinkt in dem Unternehmen jedoch die Relation des Anlagevermögens zu den Umsatzerlösen.

 

Auf dieser Vergleichsgrundlage lässt sich nun eindeutiger bestimmen, dass eine höhere Kapazitätsauslastung erreicht wurde.

 

Diese kann entweder aus höheren Umsätzen bei gleichbleibendem Sachanlageneinsatz oder aus unverändertem Umsatz bei sinkendem Sachanlageneinsatz resultieren. Ein Sinken der Bestände an Vorräten oder Fertigerzeugnissen im Verhältnis zu den Umsatzerlösen lässt i. d. R. auf eine reduzierte Lagerhaltung schließen, die entweder durch Rationalisierung der Lagerhaltung oder durch eine zeitlich optimierte Fertigung („Just in time“) erreicht wurde.

 

Diese positive Einschätzung der Unternehmensentwicklung kann aber auch ganz oder zum Teil auf Bewertungsvorschriften des Umlaufvermögens beruhen (z. B. niedrigerer beizulegender Wert § 253 Abs. 4 HGB; Lifo-Verbrauchsfolge), wodurch sich eine völlig andere Auswertung ergibt.