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Betriebswirtschaftslehre (Mündliche Prüfung) - Ziele und Grenzen der Jahresabschlussanalyse

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Betriebswirtschaftslehre (Mündliche Prüfung)

Ziele und Grenzen der Jahresabschlussanalyse

Der Jahresabschluss bündelt die wirtschaftlichen Vorgänge eines Unternehmens in einem Zahlenwerk. Die Bilanzadressaten sind alle Personen und Institutionen, deren wirtschaftliche Lage durch Entscheidungen der Unternehmensleitung beeinflusst wird. Zugleich muss der Jahresabschluss gesetzliche Vorgaben erfüllen und stellt damit die Grundlage für die Besteuerung des Unternehmens bzw. der Anteilseigner dar.

 

Der Jahresabschluss dient zudem der Information des Unternehmers bzw. der Anteilseigner sowie bestimmter externer Adressaten (z. B. Banken).

 

Um die Aussagekraft des Jahresabschlusses zu erhöhen, wird dieser einer genaueren Betrachtung unterzogen, der Jahresabschlussanalyse.

 

Die Gewinnung und Auswertung von Informationen über die Finanz- und Ertragskraft eines Unternehmens mittels verschiedener Verfahren wird als Jahresabschlussanalyse bezeichnet.

 

Verarbeitet werden dabei die Informationen des Jahresabschlusses, d. h. der Bilanz, der Gewinn- und Verlustrechnung und des Anhangs und des Lageberichts.

 

Die Jahresabschlussanalyse ist weniger zuverlässig als die Betriebs- oder Kostenanalyse, da es sich bei der Jahresabschlussanalyse um eine unternehmensexterne Analyse handelt. Für eine unternehmensinterne Analyse stehen noch weitere, unternehmensinterne Daten (z. B. die Kostenrechnung) zur Verfügung.

 

Die Erstellung des Jahresabschlusses hat entsprechend den Vorschriften des HGB zu erfolgen, wobei sich nach § 264 Abs. 2 HGB unter Beachtung der Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung ein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild

 

  • der Vermögenslage,
  • der Finanzlage und
  • der Ertragslage ergeben soll.

 

Entsprechend dieser doppelten Zielsetzung der Informationen lassen sich auch zwei verschiedene Adressatenkreise unterscheiden:

 

  1. Vermögens- und Finanzlage: Zielgruppe dieser Informationen über ein Unternehmen sind alle die Personen, die mit dem Unternehmen in ein Gläubiger-Schuldner-Verhältnis eingebunden sind, z. B. Lieferanten oder Arbeitnehmer. Diese Personengruppen ziehen aus dem Grad der finanziellen Stabilität Rückschlüsse auf eine termingerechte Erfüllung von Leistungsverpflichtungen.
  2. Ertragslage: Die Ertragskraft eines Unternehmens ist vor allem für die Inhaber oder Anteilseigner, Konkurrenten oder Arbeitnehmervertretungen von Bedeutung.

Für die Inhaber oder Anteilseigner ergeben sich Rückschlüsse auf den zu erwartenden Gewinn bzw. Gewinn- oder Dividendenausschüttungen.

Konkurrenten können anhand der Vergleichswerte ihre eigene Ertragskraft und vor allem die Konkurrenzfähigkeit einschätzen.

Arbeitnehmervertretungen/Gewerkschaften können die Aussichten für die Durchsetzbarkeit von Lohn-/Gehaltsforderungen anstehender Tarifrunden überprüfen.

 

Grenzen der Jahresabschlussanalyse

  1. Die Informationen beziehen sich stets auf einen zurückliegenden, abgeschlossenen Zeitraum.
    Erkenntnisse können durch den Vergleich bestimmter Werte aus mehreren aufeinanderfolgenden Jahresabschlüssen gewonnen werden. Diese Methode birgt jedoch das Risiko in sich, dass Tendenzen der Vergangenheit nicht zwangsläufig in die Zukunft übertragen werden können, da sich das Umfeld eines Unternehmens sehr rasch völlig ändern kann; dies wird durch die zwangsläufige Zeitspanne zwischen Abschlussstichtag und Bilanzerstellungstag nochmals verstärkt.
  2. Nicht alle Daten, die für eine umfassende Unternehmensanalyse notwendig wären, sind im Jahresabschluss enthalten. So lässt sich z. B. die Qualität des Managements eines Unternehmens oder die Marktstellung eines Unternehmens nicht wertmäßig in Euro und somit nicht im Jahresabschluss ausdrücken; die Auswirkungen dieser Faktoren fließen wertmäßig in der Regel erst mit größerer zeitlicher Verzögerung in den Jahresabschluss ein.
  3. Der Erstellung des Jahresabschlusses liegt u. a. das Vorsichtsprinzip des § 252 Abs. 1 Nr. 4 HGB zugrunde; Auswirkungen auf die Darstellung des Vermögens und des Ertrags sind zwangsläufig. Für die Jahresabschlussanalyse ergeben sich durch rechtmäßige „Unterbewertungen“ (z. B. AK/HK als Wertansatzobergrenze für Vermögensgegenstände nach § 253 Abs. 1 HGB) oder „Vorverlagerungen von Aufwand“ (z. B. Bildung von Rückstellungen nach § 249 HGB) gewisse Verzerrungen.
  4. Ferner ist die Beeinflussbarkeit von Vermögen und Ertrag durch diverse handelsrechtliche Vorschriften eingeschränkt:
  • Bewertungsstetigkeit nach § 252 Abs. 1 Nr. 6 HGB
  • Offenlegungspflicht bestimmter Verzerrungen im Jahresabschluss, z. B. nach § 280 Abs. 3 HGB; dies ermöglicht eine rechnerische Korrektur der Verzerrungen für die Bilanzanalyse.
  • Angaben über Bilanzierungs-/Bewertungsmethoden, § 284 Abs. 2 HGB
  • Ausweis von Unterbewertungen beim Umlaufvermögen, § 284 Abs. 2 Nr. 4 HGB
  • Aktivierungswahlrecht bei selbst geschaffenen immateriellen Vermögensgegenständen, § 248 Abs. 2 HGB.