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Bilanzierungsfähigkeit im Steuerrecht

Bilanzierungsfähigkeit im Steuerrecht

Zurechnung der Wirtschaftsgüter zum Betriebsvermögen nach § 246 HGB

Grundvoraussetzung für die Aufnahme eines Wirtschaftsgutes in das Betriebsvermögen ist, dass das Wirtschaftsgut auch dem Kaufmann beziehungsweise dem Steuerpflichtigen gehört. Die zivilrechtliche beziehungsweise wirtschaftliche Zurechnung von Vermögensgegenständen und Schulden richtet sich nach § 246 Abs. 1 Satz 2 HGB und ist identisch mit § 39 AO, zum wirtschaftlichen Eigentum.


In den Verwaltungsanweisungen ist die Zurechnung an folgenden Stellen geregelt:

  • R 4.2 Abs. 1 und Abs. 2 EStR für allgemeine Zurechnungsgrundsätze für Einzelunternehmen und Personengesellschaften
  • R 4.2 Abs. 3 bis Abs. 14 EStR für Grundstücke, Grund & Boden, Gebäude
  • R 4.2 Abs. 15 EStR für Verbindlichkeiten
  • R 4.2 Abs. 16 EStR bei Einnahmenüberschussrechnung, Schätzung und Gewinnermittlung nach § 13a Abs. 3 bis Abs. 6 EStG

Positives Wirtschaftsgut

Merke

Hier klicken zum AusklappenSie müssen zwischen positiven und negativen Wirtschaftsgütern unterscheiden können und die Bilanzierung derselben beherrschen. Weiterhin sollten sie die Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung beherrschen, sowie auch die Herangehensweise an Forderungen und Verbindlichkeiten.

Begriffsdefinition

Zentraler Begriff der steuerlichen Bilanzierung ist das sog. Wirtschaftsgut (§ 6 Abs. 1 EStG). Dieses bildet das Analogon zu den handelsrechtlichen Positionen des Vermögensgegenstandes und der Schulden (§ 240 Abs. 1, § 246 Abs. 1 HGB) und ist zentraler Bestandteil der Steuerbilanz. Diese besteht aus

  • Wirtschaftsgütern
    • positive Wirtschaftsgüter und
    • negative Wirtschaftsgüter
  • sonstigen Positionen, z.B.
    • Rechnungsabgrenzungsposten und
    • steuerfreien Rücklagen.

Unter positiven Wirtschaftsgütern versteht man nach der Finanzrechtsprechung Sachen und Rechte im Sinne des bürgerlichen Rechts sowie sonstige Vorteile, welche durch Aufwendungen erlangt, nach der Verkehrsauffassung selbstständig bewertbar und einen über das Ende der Abrechnungsperiode bzw. Wirtschaftsjahr hinausgehenden Nutzen erbringen. Unter Sachen versteht man speziell Grundstücke, Gebäude oder Maschinen. Rechte sind z.B. Forderungen bzw. Patente. Wirtschaftliche Vorteile bilden z.B. der Firmen- oder Geschäftswert.

Beispiel

Hier klicken zum AusklappenDer Steuerpflichtige Fritz aus München hat für 200.000 € ein Grundstück erworben.

Dieses ist eine Sache im Sinne des bürgerlichen Rechts und durch Aufwendungen erlangt. Nach der Verkehrsauffassung ist das Grundstück selbstständig bewertbar und bringt nicht nur bis zum Ende der Abrechnungsperiode einen Nutzen, sondern auch darüber hinaus. Es ist damit insgesamt ein positives Wirtschaftsgut.

Abgrenzung des Wirtschaftsguts

Positive Wirtschaftsgüter lassen sich wie folgt systematisieren:

  • nach der Art
    • materielle Wirtschaftsgüter und
    • immaterielle Wirtschaftsgüter
  • nach der Erwerbsform
    • angeschaffte Wirtschaftsgüter,
    • hergestellte Wirtschaftsgüter,
    • unentgeltlich erworbene Wirtschaftsgüter,
  • nach der Zweckbestimmung
    • Anlagevermögen
    • Umlaufvermögen
  • nach der örtlichen Einsatzmöglichkeit
    • bewegliche Wirtschaftsgüter und
    • unbeweglichen Wirtschaftsgüter.

Materielle Wirtschaftsgüter lassen sich anfassen, immaterielle nicht.

Beispiel

Hier klicken zum AusklappenDerivativer Goodwill, Patente, Lizenzen sind Beispiele für immaterielle Wirtschaftsgüter.

Entgeltlich erworben sind Wirtschaftsgüter, die gekauft oder im Tausch erworben sind.

Beispiel

Hier klicken zum AusklappenWenn man eine Maschine gegen ein altes, sehr wertvolles Gemälde tauscht, so handelt es sich durchaus um einen entgeltlichen Erwerb der Maschine.

Unterschied zwischen Anlage- und Umlaufvermögen

Der Unterschied zwischen Anlage- und Umlaufvermögen rührt aus § 247 Abs. 2 HGB her. Das Anlagevermögen dient dauernd dem Geschäftsbetrieb (§ 247 Abs. 2 HGB), das Umlaufvermögen ist dazu bestimmt, im Produktionsprozess unterzugehen.

Expertentipp

Hier klicken zum AusklappenDenken Sie bitte immer daran, die Zugehörigkeit zum Umlaufvermögen mit „§ 247 Abs. 2 HGB Umkehrschluss“ zu begründen. Bewegliche Wirtschaftsgüter lassen sich bewegen, unbewegliche hingegen nicht.

Beispiel

Hier klicken zum AusklappenMaschinen sind beweglich, der derivative Goodwill, Patente und Lizenzen sowie Grundstücke hingegen nicht.

Negatives Wirtschaftsgut

Ein Wirtschaftsgut wird negatives Wirtschaftsgut genannt, wenn mit seinem Erwerb zukünftige Ausgaben verbunden sind, die eine über die Abrechnungsperiode hinausgehende wirtschaftliche Last darstellen und selbstständig bewertbar sind. Hierzu gehören