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Einkommensteuer - Berücksichtigung von Verlusten in der Einkommensteuer

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Einkommensteuer

Berücksichtigung von Verlusten in der Einkommensteuer

Berücksichtigung von Verlusten

Definitionen

In verschiedenen Zusammenhängen werden Ihnen immer wieder die Termini "Verlustausgleich" sowie "Verlustabzug" begegnen. Für eine saubere Trennung beachten Sie bitte Folgendes:

Verlustausgleich

Diese Art von "Verlust" ist grundsätzlich im selben Kalenderjahr mit positiven Einkünften derselben Einkunftsart (sog. horizontaler Verlustausgleich) oder mit positiven Einkünften einer anderen Einkunftsart (sog. vertikaler Verlustausgleich) im Rahmen der Ermittlung der Summe der Einkünfte zu verrechnen, § 2 Abs. 2 EStG.

Beispiel

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Der Steuerpflichtige A hat eine vermietete Wohnimmobilie 1 und eine vermietete Wohnimmobilie 2. Bei Nr. 1 erzielt er einen Überschuss von 50.000 EUR, bei Nr. 2 einen Verlust von 20.000 EUR.

Im Rahmen des horizontalen Verlustausgleiches (innerhalb einer Einkunftsart, hier aus Vermietung und Verpachtung) kann A die beiden Ergebnisse saldieren, so dass er nur noch 30.000 EUR EK aus Vermietung und Verpachtung hat.

 

Beispiel

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Der Steuerpflichtige A hat erzielt Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung von 20.000 EUR.

Daneben betreibt er noch einen Getränkehandel, hier lief es jedoch sehr schlecht, so dass hier ein Verlust von 10.000 EUR zu verzeichnen war.

Im Rahmen der vertikalen Verlustausgleiches (zwischen den Einkunftsarten, hier aus Vermietung und Verpachtung sowie aus Gewerbebetrieb) kann A die beiden Ergebnisse saldieren, so dass er nur noch eine Summe der Einkünfte von 10.000 EUR hat.

Die oben genannte Darstellung gilt selbstredend als Grundfall nur dann, sofern es keine spezialgesetzliche Vorschrift gilt, welche den jeweiligen Verlustausgleich beschränkt, beispielsweise

  • § 15 Abs. 4 EStG
  • § 20 Abs. 6 EStG
  • § 23 Abs. 3 S. 7 EStG

Verlustabzug 

Verlustabzug i.S. § 10d EStG bedeutet, dass der bei einer Veranlagung nicht zum Ausgleich gekommene negative Gesamtbetrag der Einkünfte im Wege des Verlustvor- oder Rücktrags in einen anderen Veranlagungszeitraum vorgenommen wird. Der Verlustausgleich geht dem Verlustabzug vor, siehe § 10d Abs. 1 S. 1 EStG.

Verlustrücktrag

Negative Einkünfte, die erstmals bei der Ermittlung des Gesamtbetrags der Einkünfte ab VZ 2004 nicht ausgeglichen werden können, sind bis zu einem Gesamtbetrag von 1 Mio./2 Mio. EUR (ab VZ 2013) bzw. 10 Mio./20 Mio. EUR (für VZ 2020, 2021) im Falle der Zusammenveranlagung, vom Gesamtbetrag der Einkünfte des unmittelbar vorangegangenen VZ vorrangig vor Sonderausgaben, außergewöhnlichen Belastungen und sonstigen Abzugsbeträgen abzuziehen. Diese Reihenfolge führt dazu, dass sich Sonderausgaben und der Grundfreibetrag nicht mehr auswirken, wenn durch den Verlustabzug die positiven Einkünfte vollen Umfangs verrechnet werden.

§ 10d Abs. 1 S. 3 und 4 EStG enthält für den zu ändernden Steuerbescheid des Vorjahres eine spezielle Korrekturvorschrift. Hiernach ist dieser insoweit zu ändern, als der Verlustrücktrag zu gewähren oder zu berichtigen ist. Das gilt auch dann, wenn der Steuerbescheid unanfechtbar geworden ist. Die Festsetzungsfrist endet insoweit nicht, bevor die Festsetzungsfrist für den Veranlagungszeitraum abgelaufen ist, in dem die negativen Einkünfte nicht ausgeglichen werden (Ablaufhemmung). Somit ist verfahrensrechtlich sichergestellt, dass dahingehend der Verlustrücktrag immer möglich ist.

Beispiel

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Stpfl. Verlustig (V), der ledig ist,  hat in 2020 wegen der Corona-Krise einen Gesamtbetrag der Einkünfte von - 13 Mio. EUR erzielt. Im Jahr 2019 betrug der Gesamtbetrag der Einkünfte noch + 15 Mio. EUR.

Nach § 10d Abs. 1 S. 1 EStG können vorliegend max. 10 Mio. EUR in den VZ 2019 zurückgetragen werden.

Damit beläuft sich der Gesamtbetrag der Einkünfte 2019 nach Verlustrücktrag auf nur noch 5 Mio. EUR, Korrekturvorschrift gemäß § 10d Abs. 1 S. 3 EStG.

Ist ein Abzug in diesem VZ nicht möglich oder nicht gewollt, erfolgt der Verlustvortrag.

Verlustvortrag

Nach § 10d Abs. 2 S. 1 EStG sind nicht ausgeglichene negative Einkünfte, die nicht zurückgetragen worden sind, in den folgenden Veranlagungszeiträumen bis zu einem Gesamtbetrag der Einkünfte von 1.000.000 EUR unbeschränkt, darüber hinaus bis zu 60 % des 1.000.000 € übersteigenden Gesamtbetrags der
Einkünfte vorrangig vor Sonderausgaben, außergewöhnlichen Belastungen und sonstigen Abzugsbeträgen abzuziehen (Verlustvortrag). Bei Ehegatten/Lebenspartnern, die nach den §§ 26, 26b EStG zusammenveranlagt werden, tritt an die Stelle des Betrags von 1.000.000 EUR ein Betrag von 2.000.000 EUR.

Weiterführung des Beispiels 

Beispiel

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V kann wie beschrieben von dem im VZ 2020 erzielten negativen Gesamtbetrag der Einkünfte von 13 Mio. EUR nur 10 Mio. EUR in den VZ 2019 zurücktragen. Der darüberhinausgehende Betrag von 3 Mio. EUR Verlust aus dem Jahr 2020 ist zwingend in den VZ 2021 vorzutragen.

Wenn nun V im VZ 2021 einen Gesamtbetrag der Einkünfte von zunächst 5 Mio. EUR erzielen sollte, so kann V hiervon zunächst 1 Mio. von den verbleibenden 3 Mio. EUR Verlustvortrag verrechnen, darüber hinaus max. 60 % von 4 Mio. EUR (denn 4 Mio. EUR sind "der 1 Mio. EUR übersteigende Gesamtbetrag der Einkünfte im VZ 2021"), also 2,4 Mio. EUR, somit kann also V die vorliegend nicht in 2019 abziehbaren Verlusten von 3 Mio. EUR in voller Höhe im VZ 2022 abziehen.