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Erbschaftsteuer

Anteilsbewertung bei KapGes, § 97 Abs. 1b BewG

Anteil an einer Kapitalgesellschaft nach § 97 Abs. 1b BewG

 Da die Wertermittlung wegen des Grundsatzes der Gesamtbewertung (§ 2 Abs. 1 S. 2 BewG) zunächst für die gesamte wirtschaftliche Einheit im Ganzen erfolgt, ist anschließend der Wert des Anteils abzuleiten, der Gegenstand des Erwerbs ist.

 Anteil an einer Kapitalgesellschaft gemäß § 97 Abs. 1b BewG

Gemäß § 97 Abs. 1b BewG bestimmt sich der gemeine Wert eines Anteils an einer Kapitalgesellschaft nach dem Verhältnis des Anteils am Nennkapital (Grund- oder Stammkapital) der Gesellschaft zum gemeinen Wert des Betriebsvermögens der Kapitalgesellschaft am Bewertungsstichtag (R B 11.7 i.V.m. R B 97.6 Abs. 1 ErbStR).

 

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Abweichend hiervon ist in Fällen, in denen die Beteiligung am Nennkapital nicht mit der Gewinn- und Verlustverteilung übereinstimmt, auf die tatsächlichen gesellschaftsrechtlichen Verhältnisse abzustellen, § 97 Abs. 1b S. 4 BewG.

 

Der gemeine Wert eines Anteils am Grund-/Stammkapital einer Kapitalgesellschaft ist – sofern nicht ein Ausnahmefall vorliegt – in den Fällen des § 11 Abs. 2 S. 2 ff. BewG somit in zwei Stufen zu ermitteln:

 

  • Ermittlung des gemeinen Wertes des Betriebsvermögens der Kapitalgesellschaft insgesamt (z. B. im vEWV);

  • Aufteilung des gemeinen Wertes nach dem Verhältnis des übergegangenen oder übertragenen Anteils am Nennkapital (Grund- oder Stammkapital) der Gesellschaft zum gemeinen Wert des Betriebsvermögens der Kapitalgesellschaft am Bewertungsstichtag. 

 

Hält die Gesellschaft eigene Anteile, mindern sie das Nennkapital. So soll nach R B 11.5 ErbStR dem Umstand Rechnung getragen werden, dass sich die Beteiligung der Gesellschafter am Vermögen und Gewinn der Gesellschaft regelmäßig nach dem Verhältnis der Anteile am Nennkapital richtet (§ 11 AktG und § 60 AktG sowie § 29 Abs. 2 GmbHG und § 72 GmbHG).

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Das gilt grundsätzlich auch dann, wenn das Nennkapital noch nicht vollständig eingezahlt ist. Der gemeine Wert wird für je 100 € des Nennkapitals ermittelt, R B 97.6 Abs. 1 ErbStR.

 

Gemäß § 97 Abs. 1b S. 4 BewG sind Regelungen besonders zu berücksichtigen, die sich auf den Wert des Anteils auswirken, wie etwa eine vom Verhältnis des Nennkapitals abweichende Gewinnverteilung oder Verteilung des Liquidationserlöses.

Dies betrifft insbesondere die Regelungen für inkongruente (somit nicht passende) Gewinnausschüttungen und für die disquotale (somit nicht anteilige) Verteilung von Liquidationserlösen. Hierzu wird auf die gleichlautenden Ländererlasse vom 02.03.2016 (BStBl I 2016, S. 246) hingewiesen. Dort sind wegen gesellschaftsrechtlicher Vereinbarungen Fälle dargestellt, die eine für Bewertungsstichtage ab 01.01.2016 abweichende Aufteilung zur Folge haben, wenn eine Aufteilung nach dem Verhältnis des Anteils am Nennkapital zu einem unzutreffenden Ergebnis führt, vgl. R B 97.6 Abs. 2 ErbStR. 

 

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Dies gilt insbesondere für eine

  • vom Verhältnis des Anteils am Nennkapital abweichende Gewinnverteilung;

  • vom Verhältnis des Anteils am Nennkapital abweichende Beteiligung am Liquidationserlös.

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Steuerberaterprüfung

Die Beispiele in H B 97.6 ErbStH zur Aufteilung des Werts bei abweichendem Gewinnverteilungsschlüssel und bei abweichender Beteiligung am Liquidationserlös sollten genutzt werden!

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Die Bewertung von GmbH-Anteilen und damit verbunden die Anwendung des § 97 Abs. 1b BewG fand in den Prüfungen 2012, 2017 und 2020 ihren Niederschlag.