Kursangebot | Erbschaftsteuer | Berechnung der Erbschaftsteuer

Erbschaftsteuer

Berechnung der Erbschaftsteuer

steuerkurse JETZT WEITER LERNEN!

Weitere Lernvideos sowie zahlreiche Materialien erwarten dich:
Steuerberaterprüfung Vorbereitung | schriftlich & mündlich


1533 Lerntexte mit den besten Erklärungen

400 weitere Lernvideos von unseren erfahrenen Dozenten

3030 Übungen zum Trainieren der Inhalte

1211 informative und einprägsame Abbildungen

Steuerklassen nach § 15 ErbStG

Die Höhe der Steuer hängt neben der Höhe des steuerpflichtigen Erwerbs vom Verwandtschaftsgrad ab, in welchem der Erwerber zu dem Erblasser bzw. Schenker steht. Hierzu werden die Erwerber in drei Steuerklassen eingeteilt. Nach dieser Einteilung richtet sich dann der persönliche Freibetrag des § 16 ErbStG und der Steuersatz des § 19 ErbStG. 

Zur Steuerklasse I gehören gemäß § 15 ErbStG der Ehegatte/Lebenspartner, die Kinder und Stiefkinder, die Abkömmlinge der Kinder und Stiefkinder sowie – beim Erwerb von Todes wegen – die Eltern und Voreltern. 

Zur Steuerklasse II gehören die Eltern und Voreltern, wenn kein Erwerb von Todes wegen vorliegt, die Geschwister, die Abkömmlinge ersten Grades von Geschwistern, die Stiefeltern, die Schwiegerkinder, die Schwiegereltern und der geschiedene Ehegatte/ Lebenspartner.

Zur Steuerklasse III gehören alle übrigen Erwerber und die Zweckzuwendungen.

Steuersatz nach § 19 ErbStG

Steuersätze der Erbschaftsteuer

Video: Berechnung der Erbschaftsteuer

 

Die Steuersätze greifen jeweils in voller Höhe und erfassen die Bereicherung in Höhe des jeweiligen Steuersatzes vom ersten Euro an. Zunächst ist der steuerpflichtige Erwerb auf volle 100 € nach unten abzurunden (§ 10 Abs. 1 S. 6 ErbStG). Ein steuerpflichtiger Erwerb von 500.000 € in der Steuerklasse I wird mit 15 % besteuert (= 75.000 €) und nicht etwa zerlegt in drei Teilbeträge von 75.000 €, 225.000 € und 200.000 €, die mit 7, 11 und 15 % zu versteuern wären.

Der progressive Steuertarif in § 19 Abs. 1 ErbStG führt dazu, dass ein steuerpflichtiger Erwerb in Steuerklasse I in Höhe von 620.000 € aufgrund der höheren Progressionsstufe mit 19 % = 117.800 € zu versteuern wäre. Der die letzte Wertgrenze (600.000 €) übersteigende Erwerb von 20.000 € löst eine um 27.800 € höhere Steuer aus (600.000 € × 15 % = 90.000 €). Um dieses Ergebnis zu verhindern gibt es den Härteausgleich nach § 19 Abs. 3 ErbStG. Nach § 19 Abs. 3 ErbStG ist der

Unterschied zwischen der Steuer, die sich bei Anwendung der Tabelle gemäß § 19 Abs. 1 ErbStG ergibt, und der Steuer, die sich berechnen würde, wenn der Erwerb die vorhergehende Wertgrenze in der Tabelle nicht überstiegen hätte, nur insoweit zu erheben, als er

  • bei einem Steuersatz bis zu 30 % aus der Hälfte,

  • bei einem Steuersatz von über 30 % aus drei Vierteln, des - diese

    Wertgrenze übersteigenden Betrages - gedeckt werden kann.

Eine Tabelle über die maßgebenden Grenzwerte, bis zu denen der Härteausgleich wirkt, ist in den H E 19 ErbStR abgebildet.

Die Prüfung des Härteausgleichs ist in allen Fällen vorzunehmen, in denen eine Steuerberechnung Steuerfestsetzung und Steuererhebung tatsächlich oder fiktiv erfolgt (bspw. auch im Rahmen der §§ 19a und 23 ErbStG).

Berücksichtigung früherer Erwerbe nach § 14 ErbStG

Prüfungstipp

Hier klicken zum Ausklappen

Steuerberaterprüfung

Bei der Anwendung des § 14 ErbStG ist das besondere Problem im Sachverhalt zu erkennen. Sobald in ein und demselben Sachverhalt unterschiedliche Besteuerungszeitpunkte auftauchen, müssen Sie prüfen ob ggf. ein Fall des § 14 ErbStG vorliegt. Die Vorschrift ist auch nicht zu verwechseln mit § 27 ErbStG, bei der es um die mehrfache Übertragung desselben Vermögens geht

Um die Erbschaftsteuer zu verringern, könnte der Schenker oder Erblasser statt einer einzigen Übertragung den Weg mehrerer kleinerer Übertragungen wählen, um dadurch in den Genuss niedrigerer Steuersätze zu kommen und persönliche und sachliche Steuerbefreiungen mehrfach auszunutzen.

Um dies zu verhindern, sieht die Vorschrift zur Berücksichtigung früherer Erwerbe nach § 14 ErbStG die Zusammenrechnung aller Vermögensvorteile vor, die innerhalb von 10 Jahren von derselben Person angefallen sind. Damit die Vorerwerbe nicht im Ergebnis doppelt besteuert werden, wird die Steuer auf die Vorerwerbe auf die Steuer auf den Gesamterwerb angerechnet.

Hinweis

Hier klicken zum Ausklappen

Der 10-Jahres-Zeitraum ist auf den Tag genau nach den Vorschriften des § 108 Abs. 1 AO in Verbindung mit §§ 187 ff. BGB zu errechnen (zuletzt BFH v. 28. 3. 2012, II R 43/11, BStBl II 2012, S. 599).

Maßgeblich sind für Schenkungen jeweils der Tag der Ausführung der Schenkung und für Erwerbe von Todes wegen der Todestag des Erblassers nach § 9 ErbStG. Der für die Berücksichtigung von Vorerwerben maßgebliche 10-Jahres-Zeitraum des § 14 Abs. 1 S. 1 ErbStG ist rückwärts zu berechnen. Dabei ist der Tag des letzten Erwerbs mitzuzahlen. Die früheren Erwerbe sind mit dem Steuerwert zum Zeitpunkt des Vorerwerbs einzubeziehen.

Merke

Hier klicken zum Ausklappen

Vorerwerbe von Betrieben oder Anteilen an Personengesellschaften mit negativem Steuerwert wirken sich nicht aus.

Der aktuelle Erwerb und die früheren Erwerbe werden zusammengerechnet und für diese Summe wird die Steuer nach den heute geltenden Vorschriften errechnet (§ 14 Abs. 1 S. 1 ErbStG). Davon abgezogen wird die Steuer, die bei Anwendung der heute geltenden Vorschriften (bspw. Freibeträge und Steuerklasse) auf die Vorerwerbe mit ihrem damaligen Wert zu bezahlen gewesen wäre („fiktive Steuer“), § 14 Abs. 1 S. 2 ErbStG. Statt dieser fiktiven Steuer kann auch die tatsächlich für die früheren Erwerbe entrichtete Steuer abgezogen werden, wenn diese Höher ist (§ 14 Abs. 1 S. 3 ErbStG).

Die Steuer, die sich für den letzten Erwerb ohne die Einbeziehung der Vorerwerbe ergeben würde, darf gemäß § 14 Abs. 1 S. 4 ErbStG durch den Abzug der fiktiven oder tatsächlichen Steuer nicht unterschritten werden (Mindeststeuer). 

§ 14 Abs. 3 ErbStG begrenzt die Steuer für die weiteren Erwerbe auf 50 % des jeweiligen Erwerbes.

Korrekturvorschrift nach § 14 Abs. 2 BewG

Zu beachten ist ebenfalls § 14 Abs. 2 BewG:

Danach ist auf Antrag eine Berichtigung der festgesetzten Erbschaftsteuer vorzunehmen, wenn eine - nach § 14 Abs. 1 BewG mit dem Kapitalwert - bewertete und versteuerte lebenslange Nutzung oder Leistung durch Tod des Berechtigten oder Verpflichteten wegfällt und die tatsächliche Lebensdauer des Berechtigten oder Verpflichteten gegenüber der bei der Ermittlung des Kapitalwertes zugrunde gelegten (statistischen) Lebenserwartung stark verkürzt ist.

Durch das Jahressteuergesetz 2020 (anzuwenden ab 29.12.2020) wurde § 14 Abs.2 ErbStG dahingehend neu geregelt, dass eine Änderungsmöglichkeit zur Korrektur einer Steuerfestsetzung für den nachfolgenden Erwerb bzgl. einer Änderung der Steuerfestsetzung für einen Vorerwerb aufgrund eines rückwirkenden Ereignisses i.S.d. § 175 Abs. 1 S. 1 Nr. 2 AO geschaffen wurde, § 14 Abs. 2 S. 1 ErbStG. Zudem soll sichergestellt werden, dass der erstmalige Erlass, die Änderung und die Aufhebung der Steuerfestsetzung für einen Vorerwerb als rückwirkendes Ereignis i.S.d. § 175 Abs. 1 S. 1 Nr. 2 AO für die Steuerfestsetzung des nachfolgenden Erwerbs gelten und in solchen Fällen die Steuerfestsetzung für den Nacherwerb zutreffend geändert werden kann, § 14 Abs. 2 S. 2 ErbStG.

Tarifbegrenzung nach § 19a ErbStG

Video: Berechnung der Erbschaftsteuer

 

Die Tarifbegrenzung des § 19a ErbStG gilt beim Erwerb von begünstigtem Vermögen im Sinne des § 13b Abs. 1 ErbStG für den nicht unter § 13a Abs. 1 ErbStG und § 13c ErbStG fallenden Teil des Vermögens gemäß § 13b Abs. 2 ErbStG.

Tarifbegünstigtes Vermögen kann angewendet werden, wenn der Erwerb durch natürliche Personen der Steuerklasse II oder III erfolgt. Sie führt dazu, dass die Steuer für den Erwerb des begünstigten Vermögens auf das Steuerniveau der Steuerklasse I reduziert wird. 

Merke

Hier klicken zum Ausklappen

Die tatsächliche Steuerklasse des Erwerbers bleibt allerdings für alle übrigen Besteuerungsmerkmale, wie die persönlichen Freibeträge (§ 16 ErbStG) oder steuerklassenabhängige sachliche Freibeträge nach § 13 Abs. 1 Nr. 1a ErbStG, maßgebend.

Die Tarifbegrenzung wird durch Abzug eines Entlastungsbetrages, der von der tariflichen Erbschaftsteuer abzuziehen ist (§ 19a Abs. 4 ErbStG), herbeigeführt. Sie wird für den Teil des begünstigungsfähigen Vermögens gewährt, der nicht ohnehin nach § 13a Abs. 1 ErbStG oder § 13c ErbStG steuerfrei bleibt.

Hinweis

Hier klicken zum Ausklappen

Das „junge“ Verwaltungsvermögen bleibt bei der Ermittlung des Entlastungsbetrages ebenfalls unberücksichtigt.

 

Die Ermittlung des Entlastungsbetrages ist gemäß § 19a Abs. 3 und 4 ErbStG in drei Schritten vorzunehmen, siehe hierzu auch R E 19a.2 ErbStR:

Methode

Hier klicken zum Ausklappen

1. Schritt:

Zunächst ist für den gesamten steuerpflichtigen Erwerb die Steuer nach der tatsächlichen Steuerklasse des Erwerbers (= Steuerklasse II oder III) zu berechnen.

Der auf das begünstigte Vermögen entfallende Teil der tariflichen Erbschaftsteuer bemisst sich gemäß § 19a Abs. 3 ErbStG nach dem Verhältnis des Wertes des begünstigten Vermögens nach Anwendung des § 13a ErbStG und nach Abzug der mit diesem Vermögen im Zusammenhang stehenden Schulden zum Wert des gesamten Vermögensanfalls (nach Abzug der mit diesem Vermögen in wirtschaftlichem Zusammenhang stehenden Schulden und Lasten), soweit dieser der Besteuerung nach dem ErbStG unterliegt.

2. Schritt:

Im nächsten Schritt ist für den steuerpflichtigen Erwerb die Steuer nach der Steuerklasse I zu berechnen und nach Maßgabe des § 19a Abs. 3 ErbStG aufzuteilen.

3. Schritt:

Der Entlastungsbetrag ergibt sich als Differenz zwischen den beiden auf das begünstigte Vermögen entfallenden Steuerbeträgen.

Er ist von der tariflichen Erbschaftsteuer des Erwerbers nach seiner Steuerklasse II oder III abzuziehen.