Kursangebot | Erbschaftsteuer | Bewertungen von Wertpapieren und Anteilen, § 11 BewG

Erbschaftsteuer

Bewertungen von Wertpapieren und Anteilen, § 11 BewG

Bewertungen von Wertpapieren und Anteilen nach § 11 BewG

a) Börsennotierte Wertpapiere und Anteile an Kapitalgesellschaften

Ausgangsvorschriften für die Bewertung von Wertpapieren und Anteilen an Kapitalgesellschaften sind die § 12 Abs. 1 und Abs. 2 ErbStG, § 151 Abs. 1 Satz 1 Nr. 3 BewG in Verbindung mit den § 11 und § 12 BewG.

Eine zutreffende Bewertung erfordert zunächst die bewertungsrechtlich zutreffende Einordnung dieser Kapitalmarktprodukte.

Merke

Hier klicken zum Ausklappen

Unter einem Wertpapier versteht man eine Urkunde, die dem Besitzer ein Vermögensrecht zuspricht. Zusätzlich kann das Wertpapier mit einem Anteilsrecht ausgestattet sein. Ist es mit einem Anteilsrecht ausgestattet, nennt man es Anteilspapier. Verbrieft das Wertpapier kein Anteilsrecht, spricht man von einem Forderungspapier.

Hinweis

Hier klicken zum Ausklappen
  •  Ein Forderungspapier verbrieft den Anspruch auf Rückzahlung eines festen Geldbetrages am Ende einer vereinbarten Laufzeit. Zu den Forderungspapieren zählen öffentliche Anleihen, Pfandbriefe oder Unternehmensanleihen.

  • Verbrieft das Wertpapier nicht nur ein Recht zur Forderung eines Geldbetrages, sondern auch einen Anteil am Gesellschaftsvermögen und am Gewinn der Kapitalgesellschaft, liegt ein Anteilspapier vor.

  • Schuldbuchforderungen sind notierte Geldforderungen gegen den Bund oder ein Bundesland, die nicht verbrieft sind. Das Forderungsrecht des Gläubigers wird durch Eintragung in das bei der Finanzagentur GmbH geführte Schuldbuch begründet. Schuldbuchforderungen sind damit notierte Forderungspapiere, die keine Wertpapiere sind.

Forderungspapiere sind je nachdem, ob sie am Stichtag zum Handel an einer deutschen Börse zugelassen sind oder nicht, nach § 11 Abs. 1 BewG oder nach § 12 BewG zu bewerten. Anteilspapiere sind stets nach den Vorschriften des § 11 BewG zu bewerten, unabhängig davon, ob sie notiert sind oder nicht. Schuldbuchforderungen werden von der Bundesrepublik Deutschland zum Börsenhandel angemeldet und fallen ausdrücklich in den Anwendungsbereich des § 11 Abs. 1 BewG.

Notierte Anteile

§ 12 Abs. 1 ErbStG verweist für die Bewertung auf die Vorschriften des Ersten Teils des Bewertungsgesetzes. Danach sind Wertpapiere und Schuldbuchforderungen, die am Bewertungsstichtag an einer deutschen Börse zum amtlichen Handel zugelassen sind, gemäß § 11 Abs. 1 Satz 1 BewG mit dem am Stichtag notierten Kurs zu bewerten.

Merke

Hier klicken zum Ausklappen

Der Kurs ist der im Börsenhandel festgestellte Wert. Wenn am Stichtag unterschiedliche Kurse an den einzelnen Wertpapierbörsen notiert werden, dann ist der niedrigste Kurs davon maßgebend.

Liegt am Stichtag keine Notierung vor, so ist der letzte innerhalb von 30 Tagen vor dem Stichtag notierte Kurs anzusetzen gemäß § 11 Abs. 1 Satz 2 BewG.

Wertpapiere ohne Notierung in diesem Zeitraum werden wie nichtnotierte Wertpapiere behandelt. Den zum Handel an der Börse zugelassenen Wertpapieren im regulierten Markt sind die in den Freiverkehr einbezogenen Wertpapiere gleichgestellt (§ 11 Abs. 1 S. 3 BewG).

Letztere sind Wertpapiere, die nicht amtlich notiert werden, die aber doch an der Börse gehandelt werden. Die Kurse, die sich auf dem freien Markt ergeben (Telefonverkehr, Bankenverkehr), sind für die Bewertung nach § 11 BewG ohne Bedeutung. Vergleiche hierzu auch R B 11.1 ErbStR.

Notierte Wertpapiere und Anteile an Kapitalgesellschaften sind grundsätzlich mit ihrem Börsenkurs am Bewertungsstichtag zu bewerten; § 11 Abs. 1 S. 1 BewG.

Ist kein Börsenkurs am Bewertungsstichtag vorhanden, ist der letzte Börsenkurs innerhalb von 30 Tagen vor dem Bewertungsstichtag anzusetzen.

Dabei sind die Kurse aus dem Handel im regulierten Markt zu berücksichtigen. Entsprechendes gilt für in den Freiverkehr einbezogene Wertpapiere (der Freiverkehr ist ein deutsches, nicht amtliches und nicht reguliertes Börsensegment nach § 48 Börsengesetz). Bei Wertpapieren, für die kein inländischer Börsenkurs vorliegt, wird der in Euro umgerechnete Börsenkurs des Heimatstaates der Kapitalgesellschaft angesetzt. Sollte sich hiernach kein Wert ergeben haben, erfolgt die Bewertung nach § 12 BewG.

Wertentwicklungen nach dem Bewertungsstichtag sind irrelevant.

b) Nichtnotierte Anteile an Kapitalgesellschaften

Liegen nicht notierte Anteile an Kapitalgesellschaften vorhandelt (z.B. Anteile an einer GmbH), ist nach 11 Abs. 2 S. 1 BewG der gemeine Wert der Anteile anzusetzen.

Dieser Wert ist nach § 11 Abs. 2 S. 2 BewG vorrangig aus tatsächlich erfolgten Verkäufen innerhalb eines Jahres vor dem Bewertungsstichtag abzuleiten. Dabei ist auf Verkäufe abzustellen, die im gewöhnlichen Geschäftsverkehr unter fremden Dritten erfolgen. Verkäufe zwischen nahestehenden Personen oder Verkäufe, die durch persönliche Verhältnisse beeinflusst worden sind, sind in diese Bewertung nicht einzubeziehen.

Lässt sich der gemeine Wert nicht aus Verkäufen ableiten, dann ist der gemeine Wert unter Berücksichtigung der Ertragsaussichten der Kapitalgesellschaft oder einer anderen anerkannten, auch im gewöhnlichen Geschäftsverkehr für nichtsteuerliche Zwecke üblichen Methode zu ermitteln und es ist auf die Sichtweise des Erwerbers bei der Bemessung des gemeinen Werts abzustellen.

11 Abs. 2 S. 4 BewG verweist auf §§ 199 – 203 BewG und damit auf das einzige im BewG normierte Verfahren – das vereinfachte Ertragswertverfahren.

 Als Mindestwert ist aber nach 11 Abs. 2 S. 3 BewG der Substanzwert (Summe der gemeinen Werte der einzelnen Wirtschaftsgüter abzgl. der betrieblichen Schulden) anzusetzen, vgl. dazu auch R B 11.5 und R B 11.6 ErbStR.

 c) Paketzuschlag

Ist der gemeine Wert der zu bewertenden Anteile infolge besonderer Umstände höher als der Wert, der den besonderen Beteiligungscharakter der Anteile nicht berücksichtigt beispielsweise wenn die Anteile die Beherrschung der Gesellschaft ermöglichen, ist gemäß § 11 Abs. 3 BewG ein Paketzuschlag von bis zu 25 % nach R B 11.8 Abs. 9 ErbStR  vorzunehmen beispielsweise wenn die Höhe der übertragenen Beteiligung eine Beherrschung der Kapitalgesellschaft ermöglicht, gemäß R B 11.8 ErbStR .

Merke

Hier klicken zum Ausklappen

Der Paketzuschlag kommt insbesondere in Betracht, wenn ein Gesellschafter mehr als 25 % der Anteile an einer Kapitalgesellschaft auf einen oder mehrere Erwerber überträgt vergleiche hierzu R B 11.8 Abs. 3 ErbStR.

Gehen Anteile an einer Kapitalgesellschaft von mehr als 25 % auf mehrere Erben über, ist nach R B 11.8 Abs. 4 ErbStR ein Paketzuschlag auch dann vorzunehmen, wenn die anschließende Aufteilung (quotal, frei durch Miterben vereinbart oder nach Maßgabe einer Teilungsanordnung) dazu führt, dass jeder der Erben nur eine Beteiligung von weniger als 25 % erhält. Im Fall der Schenkung hingegen sind die auf den jeweiligen Erwerber übergehenden Anteile Besteuerungsgrundlage und zur Bestimmung der 25 %-Grenze maßgebend, R B 11.8 Abs. 6 ErbStR.

Anderes gilt, wenn durch den schuldrechtlichen Anspruch eines Vermächtnisnehmers auf Anteile an einer Kapitalgesellschaft, der dem (oder den Mit-) Erben verbleibende Anteil weniger als 25 % beträgt.

Hinweis

Hier klicken zum Ausklappen

Ein Paketzuschlag kommt dann für den oder die Erben nicht in Betracht, R B 11.8 Abs. 5  S. 1 u. 2 ErbStR. Ein Vorausvermächtnis hingegen hat auf die Frage eines Paketzuschlags mehrerer Erben keinen Einfluss, R B 11.8 Abs. 5 S. 3 ErbStR.

Führt die Vereinigung von zugewendeten Anteilen mit bereits vorhandenen eigenen Anteilen des Erwerbers zur Überschreitung der 25 %-Grenze, ist dies – außer unter den Voraussetzungen des § 14 ErbStG – für die Bestimmung eines Paketzuschlags unbeachtlich, R B 11.8 Abs. 7 u. 8 ErbStR.

Der Paketzuschlag kommt sowohl beim Ansatz von Kurswerten als auch bei der Ermittlung des gemeinen Werts durch Ableitung aus Verkäufen in Betracht. Im vEWV ist in der Regel kein Paketzuschlag vorzunehmen; in den Fällen der Bewertung mit dem Substanzwert ist er ebenfalls nicht vorzunehmen (vgl. R B 11.8 Abs. 2 S. 3 und 5 ErbStR).

Merke

Hier klicken zum Ausklappen

Als Paketzuschlag kann – je nach Umfang der zu bewertenden Beteiligung – im Allgemeinen ein Zuschlag bis zu 25 % in Betracht kommen. Höhere Zuschläge sind nach R B 11.8 Abs. 9 ErbStR im Einzelfall möglich.

d) Anteile und Aktien, die Rechte an einem Investmentvermögen verbriefen

Bei Wertpapieren, die Rechte der Anleger (Anteilhaber) gegen eine Kapitalanlagegesellschaft oder einen sonstigen Fonds verbriefen, so genannte Anteilscheine (z.B. Anteilscheine an offenen Immobilienfonds, Wertpapierfonds), ist die Bewertung mit dem Rücknahmepreis vorzunehmen, 11 Abs. 4 BewG.

Diese Rücknahmekurse werden in der Regel – je nach Art der Anlagegesellschaft – laufend oder in bestimmten Zeitabschnitten veröffentlicht.

Hinweis

Hier klicken zum Ausklappen

Da die Bewertung von nicht notierten Anteilen an Kapitalgesellschaften und die Bewertung von Betriebsvermögen nach dem gleichen Bewertungsmodus verläuft, wird die Bewertung nach dem vereinfachten Ertragswertverfahren und dem Substanzwertverfahren bei der Bewertung von Betriebsvermögen ausführlich dargestellt.