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Mündliche Steuerberaterprüfung

Themen für den Kurvortrag

Wie wir von Teilnehmern erfahren konnten, erhalten in allen Bundesländern – mit Ausnahme von NRW – alle vier oder fünf Kandidaten eines Termins der mündlichen Prüfung dieselben drei Themen für den Kurzvortrag zur Auswahl.

Der Kurzvortrag wird dann in Abwesenheit der übrigen Kandidaten gehalten. Es kommt recht häufig vor, dass alle vier oder fünf Kandidaten einer mündlichen Prüfung dasselbe - meist das vermeintliche „einfachere“ Thema für ihren Kurzvortrag wählen.

Hinweis

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In Bayern kommt die Sammlung von Themen, aus der die jeweils benötigten drei Themen pro Prüfung ausgewählt werden, dadurch zustande, dass die Prüfungsbehörde jedes Mitglied der Prüfungskommission rechtzeitig darum bittet, für die anstehende mündliche Prüfung bis zu zehn Themen seines Fachgebiets oder seiner Fachgebiete einzureichen. Aus der sich daraus ergebenden Gesamtzahl „aktueller“ Themen werden dann an jedem Prüfungstag für die Sitzung der Prüfungsausschüsse drei Themen ausgewählt, die von Prüfern vorgeschlagen worden sind, die am jeweiligen Tag prüfen. Auch in etlichen anderen Bundesländern werden aktuelle Themen für die Kurzvorträge von den Mitgliedern der Prüfungskommissionen vorgeschlagen.

Bei dieser „Herkunft“ der Themen für die Kurzvorträge sollte man sich darauf einstellen, dass relativ viele Themen aus aktuellen Entwicklungen im Steuerrecht und in der

  • Steuer-,
  • Finanz-,
  • Wirtschafts- und
  • Währungspolitik gespeist sind.

Demgegenüber weist die aus NRW-Protokollen erstellte Liste eine sehr hohe Zahl gängiger steuerrechtlicher Themen ohne besonderen aktuellen Bezug auf. Ein Blick auf die Themen der Kurzvorträge in den mündlichen Prüfungen der Vorjahre zeigt auch, dass man sich nur bei Themen, die gewichtige steuerrechtliche Regelungen oder bedeutsame wirtschaftspolitische Grundsatzfragen zum Gegenstand haben, auf Wiederholungen einrichten darf.

Erfahrungsgemäß sind in Hessen die Themen für die Kurzvorträge schon weit vor Jahresende einzureichen, so dass hier z.T. ganz aktuelle Themen gar nicht berücksichtigt werden könnten.

Viele der Themen der Kurzvorträge sind Aufsätzen in den NWB, und zwar Heften des zurückliegenden Halbjahres oder Jahres, aktuellen Beiträgen im „Deutschen Steuerrecht“ oder anderen Fachzeitschriften entnommen.

Eine von Teilnehmern nach Abschluss der mündlichen Prüfungen vor einigen Jahren gefertigte Übersicht, über die damals in München gestellten Themen ergab, dass annähernd jedes dritte Thema für den Kurzvortrag in den vorausgegangenen sechs bis zwölf Monaten Gegenstand einer Abhandlung in den NWB war. Ein Prüfungsteilnehmer berichtete in diesem Zusammenhang, einzelne Prüfer hätten sogar Ablichtungen von Aufsätzen in den NWB oder im DStR als Grundlage für ihre mündliche Befragung vor sich liegen gehabt.

Die Mitglieder der Prüfungskommission haben für die von ihnen vorgeschlagenen Themen für Kurzvorträge eine Gliederung vorzulegen, so dass die anderen Mitglieder der Kommission in die Lage versetzt werden, die Leistung des Teilnehmers eigenständig zu bewerten und zu benoten. Häufig vereinfachen sich die Prüfer diese Aufgabe, in dem sie von dem von ihnen ausgesuchten Aufsatz aus der Fachpresse (NWB, DStR, BB, DB u. Ä.), dessen Gegenstand sie als Thema für den Kurzvortrag vorgeschlagen haben, für jeden der fünf Kollegen eine Ablichtung mitbringen.

Bei der Zusammenstellung der drei Themen für die Kurzvorträge eines Prüfungstermins versucht man sicherzustellen, dass unter den jeweils drei zur Auswahl gestellten Themen mindestens ein „gängiges“ Thema aus einem Steuerrechtsgebiet ist. Oft bekommt jeder Kandidat neben einem oder auch zwei „Exoten-Themen“ mindestens ein gängiges Thema aus den Gebieten des „vorbereiteten Prüfungsstoffs“.

Auswahl des Themas für den Kurzvortrag

Die Liste mit Themen der Kurzvorträge in den mündlichen Prüfungen soll Ihnen in der Prüfungsvorbereitung zunächst die Problematik der Entscheidung nahebringen, die Sie mit der Auswahl des Themas in der Prüfung zu treffen haben.

Diese Entscheidung für ein Thema bereitet den meisten Teilnehmern schon im Vorfeld großes Kopfzerbrechen; ob diese Entscheidung richtig getroffen wird, hat für das Bestehen der Prüfung erhebliches Gewicht. Gerade auch wegen dieser, in der Prüfung, zu treffenden Entscheidung ist die Vorbereitung auf den Kurzvortrag so wichtig, wenn nicht gar für den Prüfungserfolg ausschlaggebend.

Für diese Auswahlentscheidung können wir Ihnen – mit dem gebotenen Vorbehalt aufgelistet – die folgenden Ratschläge geben:

  • Kommen für Sie von den gestellten Themen alle drei Themen oder doch zwei der Themen in Frage, weil Sie erkennen, dass Ihnen dazu ausreichend Stoff für einen Vortrag von acht bis zehn Minuten (in Berlin: fünf bis sieben Minuten) präsent ist, sollten Sie sich im Zweifelsfall für das nach Ihrer Einschätzung „leichtere“ Thema entscheiden, bei dessen Erarbeitung Sie am wenigsten Gefahr laufen, Wesentliches zu übersehen oder gar das Thema ganz oder zum Teil zu verfehlen. „Entgegen öfter gehörter Meinung kann man wohl auch mit einem einfacheren Thema eine gute Benotung erreichen." Dem Ehrgeiz, das schwierigere Thema zu wählen, sollten Sie nur dann nachgeben, wenn Sie sich ganz sicher sein können, nicht einzubrechen, oder wenn Sie nach dem Ergebnis Ihrer schriftlichen Prüfung (Note, die nicht schlechter ist als 3,67 oder 3,83) ein gewisses Risiko eingehen können.

  • Kommen Sie mit allen drei Themen oder zumindest mit zwei Themen gleich gut zurecht, und liegt Ihre Note aus der schriftlichen Prüfung im Bereich zwischen 4,0 und 4,5, dann sollten Sie das Thema wählen, mit dem Sie Kenntnisse vortragen können, über die die Mehrzahl Ihrer Mitstreiter wahrscheinlich nicht verfügt: Kenntnisse in den Prüfungsgebieten des § 37 Abs. 3 Nr. 5 bis 8 StBerG, vornehmlich in den Fächern Volkswirtschaft, Betriebswirtschaft und Rechnungswesen, bürgerliches Recht, Handels- und Gesellschaftsrecht, Berufsrecht. Ein gutes Referat in den Prüfungsgebieten, die nicht oder doch nur am Rande Gegenstand der schriftlichen Prüfung sind, wird mit großer Wahrscheinlichkeit besser bewertet als ein ebenso gutes Referat zu einem gängigen steuerrechtlichen Thema.

Wie bereits ausgeführt, bekommen die Teilnehmer in allen Bundesländern mit Ausnahme NRWs von ihrer Prüfungskommission dieselben drei Themen für den Kurzvortrag gestellt. Es kommt recht häufig vor, dass alle vier oder fünf Teilnehmer dasselbe gängige Thema wie etwa: „Grundsätze der Betriebsaufspaltung“, „Die Rechnungstellung im Umsatzsteuerrecht“ wählen. In Protokollen wurde gelegentlich vermerkt, dies müsse sich auf die Bewertung der Vorträge wohl negativ ausgewirkt haben. Die Prüfer müssen sich viermal oder gar fünfmal mehr oder eher weniger gelungene Ausführungen zu demselben Thema anhören. Wenn Sie also ausweichen können, sollten Sie das tun. Erkennen Sie, dass Sie mit einem verfahrensrechtlichen Thema aus AO oder FGO ebenso viel anfangen können wie mit einem anderen zur Wahl gestellten steuerrechtlichen Thema, sollten Sie das verfahrensrechtliche Thema wählen. Dies gilt auch dann, wenn es sich um AO- oder FGO-Standardthemen handelt, wie z. B. „Der Einspruch nach §§ 347 ff. AO“ oder „Die Klagevoraussetzungen nach der FGO“. Prüfungsteilnehmer mit guten verfahrensrechtlichen Kenntnissen können, weil diese Themen seltener gewählt werden, mit einer guten Benotung ihres Kurzvortrags rechnen.

  • Für die Nicht-Juristen unter Ihnen: Meiden Sie zivilrechtliche Themen, da Ihnen als Prüfer auch Juristen gegenübersitzen, die Ihnen in juristischen Dingen haushoch überlegen sind oder sich überlegen wähnen und insoweit Fehler und Ungenauigkeiten nur selten nachsehen. Der Mut des Nicht-Juristen, für den Kurzvortrag ein juristisches Thema gewählt zu haben, wird nicht oder nur selten belohnt.

  • Können Sie mit keinem der drei Themen etwas anfangen, dann sollten Sie einige Male tief durchatmen und sich Ihrer für die schriftliche Prüfung erarbeiteten steuerrechtlichen Kenntnisse erinnern. Wählen Sie dann das vermeintlich weniger anspruchsvolle Thema, im Zweifel das oder eines von zwei steuerrechtlichen Themen.

  • Wählen Sie ein schwierigeres Thema, können Sie sicher sein, dass Sie eine akzeptable Note bekommen, wenn Sie mit dem Thema einigermaßen zurechtkommen (so äußern sich jedenfalls Prüfer). Nehmen Sie ein gängiges steuerrechtliches Thema, werden der fachliche Inhalt und die Vortragsweise weit kritischer beurteilt.

Es kam auch schon vor, dass sich ein Teilnehmer nach Bekanntgabe der Themen für den Kurzvortrag sofort mit der Bemerkung verabschiedet hat, ihm falle zu keinem der Themen etwas ein. Dies wäre nicht passiert, wenn der oder die Betreffende auf den Kurzvortrag sowohl mental wie auch fachlich in etwa ausreichend vorbereitet gewesen wäre.

Hier gilt: Nur wer antritt, kann gewinnen!

Gewicht der Benotung des Kurzvortrags für die Gesamtnote der mündlichen Prüfung

Rein rechnerisch geht die Benotung des Kurzvortrags als einem der sieben Prüfungsabschnitte nur mit einem Siebtel in die Gesamtnote der mündlichen Prüfung ein. Tatsächlich jedoch hat der Kurzvortrag oft ein erheblich größeres Gewicht für das Bestehen der Prüfung. Der Kurzvortrag ist die Visitenkarte des Teilnehmers, mit der er sich der Prüfungskommission „vorstellt“:

  • Mit dem Kurzvortrag vermitteln Sie den Mitgliedern der Prüfungskommission den ersten und damit häufig entscheidenden Eindruck Ihrer Fähigkeiten: Ihr Auftreten unter der Prüfungsbelastung, sprachliches Ausdrucksvermögen, Konzentrationsfähigkeit, das Vermögen, Wesentliches von Unwesentlichem zu unterscheiden und darzustellen, nicht zuletzt natürlich auch Ihre materiell-rechtlichen, verfahrensrechtlichen und/oder fächerübergreifenden Kenntnisse.

  • Haben Sie den Eindruck, der mündliche Vortrag ist Ihnen recht gut gelungen, gewinnen Sie daraus Selbstsicherheit und die erforderliche Motivation für die anschließende drei- bis vierstündige mündliche Befragung. Protokollanten berichten sehr häufig, dass sie sich aufgrund der wohlwollenden Aufnahme ihres Kurzvortrags von Seiten der Prüfer oder gar eines ausdrücklichen Lobes des Vorsitzenden der Prüfungskommission für den Kurzvortrag von ihrer Nervosität hätten völlig lösen können. Viele Protokollanten vermerken, man sollte im Vortrag auch die Chance sehen, seine Kenntnisse und Fähigkeiten ins rechte Licht zu rücken, was in der anschließenden mündlichen Befragung trotz guter Kenntnisse im jeweiligen Prüfungsfach oft nicht gelinge. Der häufigste Rat, den Protokollanten nach abgelegter mündlicher Prüfung geben: Kurzvorträge üben, üben, üben!

  • Aber das Gewicht des mündlichen Kurzvortrags muss nicht überbewertet Wir haben den Eindruck, dass man einen schwächeren mündlichen Vortrag in der nachfolgenden mündlichen Befragung sehr wohl wieder ausgleichen kann.