Zusammenfassung: Das Wichtigste zur digitalen Prüfung
- Bundesweite Ausweitung:Nach erfolgreichen Pilotprojekten in Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg bieten ab 2026/2027 deutlich mehr Bundesländer die elektronische Prüfung an
- Technisch ausgereift:Sekündliche Speicherung, geschlossenes WLAN-System, sofortige Ersatzgeräte bei Problemen
- Wahlfreiheit:In den meisten Bundesländern können Kandidaten zwischen digital und handschriftlich wählen (Ausnahme: Sachsen macht digital verpflichtend)
- Klare Vorteile:Bessere Strukturierung, einheitliches Schriftbild, Copy-Paste-Funktion, PDF-Vorschau
- Zeitersparnis für Korrektoren:Etwa ein Drittel weniger Korrekturzeit durch digitale Werkzeuge
- Mittelfristiges Ziel:Bis 2030 wird die elektronische Prüfung voraussichtlich bundesweit Standard
- Vorbereitung:Wer digital schreiben will, sollte von Anfang an alle Übungsklausuren am Computer bearbeiten
Die Steuerberaterprüfung wird digital. Was vor wenigen Jahren noch als Pilotprojekt in zwei Bundesländern begann, entwickelt sich zunehmend zum neuen Standard. Die elektronische Durchführung der Prüfung bietet zahlreiche Vorteile für Kandidaten und Korrektoren gleichermaßen. Gleichzeitig wirft sie Fragen auf und erfordert eine sorgfältige Vorbereitung. Ein umfassender Überblick über den aktuellen Stand und die weitere Entwicklung.
Die Anfänge der Digitalisierung
Die Geschichte der elektronischen Steuerberaterprüfung begann im Jahr 2023 in Schleswig-Holstein. Als erstes Bundesland wagte Schleswig-Holstein den Schritt und bot seinen Prüfungskandidaten die Möglichkeit, die Klausuren am Computer zu schreiben. Ein Jahr später folgte Baden-Württemberg. Beide Länder sammelten seither wertvolle Erfahrungen, die nun in die bundesweite Ausweitung einfließen.
Der Anbieter, mit dem diese Pilotversuche durchgeführt wurden und der bis heute als einziger einen sogenannten Full-Service bietet, ist die Firma IQUL. Die Zusammenarbeit mit diesem Dienstleister hat sich als erfolgreich erwiesen. Technische Probleme waren außerordentlich selten, die Rückmeldungen von Kandidaten und Prüfern überwiegend positiv.
Die Teilnehmerzahlen sprechen eine deutliche Sprache. In Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg entschieden sich jeweils etwa 25 bis 30 Prozent der angemeldeten Kandidaten für die digitale Variante. Diese Zahlen verdoppelten sich von Jahr zu Jahr, was die wachsende Akzeptanz und das Vertrauen in die Technologie zeigt. Die Nachfrage ist eindeutig vorhanden.
Wie funktioniert die elektronische Prüfung technisch?
Die technische Umsetzung der elektronischen Prüfung folgt einem durchdachten Konzept, das Sicherheit und Funktionalität gleichermaßen gewährleistet. Die Prüfungskandidaten erhalten die Aufgabenstellung weiterhin in klassischer Papierform ausgehändigt. Sie haben also die gedruckten Aufgaben vor sich liegen und können darin lesen, unterstreichen und Notizen machen, ganz wie bei der traditionellen Prüfung.
Für die Bearbeitung und Beantwortung der Aufgaben steht jedem Kandidaten ein Laptop mit eigenem Bildschirm, eigener Tastatur und eigener Maus zur Verfügung. Auf diesen Geräten läuft ausschließlich ein spezielles Schreibprogramm mit ausgewählten Funktionen. Nicht alle Features, die man von üblichen Textverarbeitungsprogrammen kennt, sind verfügbar, sondern nur diejenigen, die für die Prüfung als sinnvoll und zulässig erachtet werden.
Das Besondere an diesem System ist die Datensicherung. Alle Eingaben werden sekündlich gespeichert, und zwar auf einem lokalen Rechner, der sich direkt im Prüfungsraum befindet. Es handelt sich dabei nicht um eine Cloud-Lösung oder eine Verbindung zum Internet, sondern um ein geschlossenes System. Der Prüfungsraum verfügt über ein eigenes WLAN mit speziellen Access Points, die eine stabile und schnelle Verbindung zwischen den Laptops und dem zentralen Server gewährleisten.
Betreut wird das gesamte System von einem Team aus drei Personen. Ein Administrator übernimmt die technische Leitung, zwei weitere Helfer stehen bereit, um bei eventuellen Problemen sofort eingreifen zu können. Sollte bei einem Laptop tatsächlich ein technisches Problem auftreten, steht sofort ein Ersatzgerät bereit. Der betroffene Kandidat meldet sich mit seiner persönlichen Zugangsnummer am neuen Gerät an und kann exakt an der Stelle weiterarbeiten, an der das Problem aufgetreten ist. Dank der sekündlichen Speicherung geht keine einzige Zeile Text verloren.
Die Erfahrungen zeigen, dass solche technischen Zwischenfälle äußerst selten sind. In den bisherigen Durchführungen sind keine größeren Probleme bekannt geworden. Auch die Akkuleistung der Laptops ist so dimensioniert, dass die gesamte sechsstündige Prüfungszeit problemlos überbrückt werden kann. Selbst bei Kandidaten, die eine Schreibzeitverlängerung in Anspruch nehmen, hat die Akkukapazität bisher immer ausgereicht.
Technisches System auf einen Blick
| Komponente | Details |
|---|---|
| Aufgabenstellung | Klassisch in Papierform |
| Bearbeitung | Laptop mit Tastatur, Maus, Bildschirm |
| Software | Spezielles Schreibprogramm mit ausgewählten Funktionen |
| Datensicherung | Sekündlich auf lokalem Server im Prüfungsraum |
| Netzwerk | Geschlossenes WLAN, kein Internetzugang |
| Support | 3-köpfiges Team (1 Admin, 2 Helfer) |
| Backup | Sofort verfügbare Ersatzgeräte |
| Akkukapazität | 6+ Stunden (inkl. Schreibzeitverlängerung) |
Die Softwarefunktionen im Detail
Das Schreibprogramm, das bei der elektronischen Prüfung zum Einsatz kommt, bietet eine Reihe von Funktionen, die das Arbeiten erleichtern, ohne unlautere Vorteile zu ermöglichen. Kandidaten können die Schriftgröße an ihre Bedürfnisse anpassen, was gerade für Menschen mit Sehschwäche eine deutliche Erleichterung darstellt. Die verbleibende Bearbeitungszeit wird permanent angezeigt, sodass jeder den Überblick über den zeitlichen Rahmen behält.
Zu den wichtigsten Funktionen gehören die aus Textverarbeitungsprogrammen bekannten Bearbeitungswerkzeuge. Text kann ausgeschnitten, kopiert und an anderer Stelle wieder eingefügt werden. Diese Copy-and-Paste-Funktion erweist sich als besonders wertvoll, wenn Lösungsteile umstrukturiert oder neu angeordnet werden sollen. Manuelle Seitenumbrüche lassen sich einfügen, um die Gliederung zu optimieren.
Die Formatierung bietet ebenfalls wichtige Optionen. Kandidaten können zwischen normalem Text und Überschriften wählen, was die Struktur der Lösung deutlich macht. Text lässt sich fett, kursiv, durchgestrichen, hochgestellt, tiefgestellt oder unterstrichen darstellen. Die Ausrichtung kann linksbündig, rechtsbündig, zentriert oder als Blocksatz erfolgen.
Tastenkombinationen für effizientes Arbeiten
Für ein flüssiges Arbeiten stehen verschiedene Tastenkombinationen zur Verfügung. Die wichtigsten funktionierenden Shortcuts sind:
- STRG + A (Alles markieren)
- STRG + C (Kopieren)
- STRG + V (Einfügen)
- STRG + SHIFT + POS1 / ENDE (Text bis Anfang/Ende markieren)
- STRG + → / ← (Wortweise springen)
Einige aus anderen Programmen gewohnte Tastenkombinationen sind allerdings nicht verfügbar, darunter STRG + F (Suchen), STRG + H (Suchen und Ersetzen), STRG + B (Fett), STRG + U (Unterstreichen) sowie STRG + ↓ / ↑. Für diese Funktionen müssen die entsprechenden Schaltflächen in der Software verwendet werden.
Eine praktische Alternative bieten ALT-Codes zur Formatierung. Mit ALT + 7 lässt sich ein Aufzählungspunkt (•), mit ALT + 9 ein Kreis (○) und mit ALT + 16 ein Pfeil (►) einfügen. Diese Zeichen eignen sich besonders gut, um Zwischenüberschriften oder wichtige Punkte schnell hervorzuheben.
Besonders nützlich für die Texte ist die Möglichkeit, Aufzählungen zu erstellen, sowohl mit Punkten als auch mit Zahlen. Das geschützte Leerzeichen verhindert, dass zusammengehörige Begriffe wie Paragrafenangaben beim Zeilenumbruch getrennt werden. Text lässt sich einrücken, um Gliederungsebenen zu verdeutlichen.
Eine wichtige Funktion ist die Tabellenerstellung. Gerade für die Bilanzklausur am dritten Prüfungstag ist dies relevant, auch wenn die Tabellenfunktion nach Einschätzung vieler Nutzer noch ausbaufähig ist. Sonderzeichen können eingefügt werden und eine Suchfunktion hilft dabei, bestimmte Begriffe in längeren Texten schnell wiederzufinden.
Besonders hilfreich ist die PDF-Vorschau-Funktion. Kandidaten können sich jederzeit anschauen, wie ihre Arbeit dem Korrektor später präsentiert wird. Sie sehen dabei auch den Korrekturrand, der in der finalen Version vorhanden sein wird. Diese PDF-Datei lässt sich sogar herunterladen, was allerdings während der Prüfung selbst natürlich nicht relevant ist.
Am Ende der Bearbeitungszeit oder wenn ein Kandidat vorzeitig fertig ist, kann er die Prüfung beenden. Dabei läuft ein fünfsekündiger Countdown, während dessen die Entscheidung noch widerrufen werden kann. Diese Sicherheitsschranke verhindert versehentliche vorzeitige Abgaben.
Zugang zum Übungssystem
Für Kandidaten, die sich auf die digitale Prüfung vorbereiten möchten, wurde in Zusammenarbeit mit der Bundessteuerberaterkammer ein Demoportal eingerichtet. Dieses Portal ist für alle Steuerberaterkammern und deren Kandidaten zugänglich. Der Zugang erfolgt über einen Link, der über die Kammern verteilt wird.
Wichtig ist die Unterscheidung zwischen dem Demoportal und einem Übungsportal. Das Demoportal dient ausschließlich dazu, sich mit den verfügbaren Werkzeugen vertraut zu machen. Es ist nicht vorgesehen, dort vollständige Übungsklausuren zu schreiben und speichern zu lassen. Für ernsthafte Übungsklausuren gibt es separate Server mit individuellen Zugangsdaten, die eine stabile Speicherung und Korrektur ermöglichen.
Das Demoportal erfüllt aber einen wichtigen Zweck. Kandidaten können dort ohne Druck und zeitliche Begrenzung alle Funktionen ausprobieren. Sie können testen, wie sich Tabellen erstellen lassen, wie die Formatierung funktioniert und wie sich die verschiedenen Werkzeuge in der Praxis anfühlen. Diese Vertrautheit ist wichtig, denn nur wer die Werkzeuge sicher beherrscht, kann sich während der Prüfung voll auf die inhaltliche Arbeit konzentrieren.
Die Korrektur der digitalen Klausuren
Nach Abschluss der Prüfung werden die Klausuren den Prüfern elektronisch zur Verfügung gestellt. Ein Ausdruck erfolgt nur noch auf ausdrücklichen Wunsch. Diese digitale Bereitstellung ist nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern ermöglicht auch die Nutzung eines elektronischen Korrekturwerkzeugs.
IQUL bietet ein spezielles Tool für die digitale Korrektur an. Dabei wird dem Korrektor das Bewertungsschema parallel zur Klausurlösung angezeigt. Per Mausklick können Punkte vergeben werden. Zukünftig soll dies auch mit einem Stift möglich sein, ähnlich wie beim iPad. Die vergebenen Punkte werden automatisch addiert. Rechenfehler bei der Punktevergabe, wie sie bei manueller Korrektur gelegentlich vorkommen, sind damit ausgeschlossen.
Korrektoren können Textfelder öffnen, um Anmerkungen zu schreiben. Dies ermöglicht differenzierte Rückmeldungen an die Kandidaten. Das Handling wird von den meisten Nutzern als intuitiv und zeitsparend beschrieben, auch wenn es wie bei jeder neuen Technologie eine gewisse Eingewöhnungsphase gibt.
Aus Baden-Württemberg liegen besonders ermutigende Zahlen vor. Die Korrekturzeiten haben sich durch die elektronische Korrektur um etwa ein Drittel reduziert. Diese Zeitersparnis ist erheblich und wird mit zunehmender Routine voraussichtlich noch größer werden. Für Prüfer, die neben ihrer Haupttätigkeit diese ehrenamtliche Aufgabe übernehmen, bedeutet dies eine spürbare Entlastung.
Vorteile für Kandidaten und Prüfer
Die Vorteile der elektronischen Prüfung sind vielfältig und betreffen beide Seiten. Aus Sicht der Kandidaten ist zunächst das einheitliche Schriftbild zu nennen. Niemand muss mehr befürchten, dass unleserliche Handschrift zu Missverständnissen führt. Jede Arbeit erscheint in klarer, gut lesbarer Schrift.
Besonders hervorzuheben ist die deutlich verbesserte Struktur und Gliederung der Lösungen. Durch die Möglichkeit, Text zu kopieren und zu verschieben, können Kandidaten ihre Gedanken zunächst festhalten und später zu einer kohärenten Gesamtlösung zusammenfügen. Die fertige Arbeit erscheint wie aus einem Guss, ohne die bei Papierklausuren typischen Verweise wie eingekringelte Zahlen, durchgestrichene Passagen oder nachträgliche Ergänzungen an Seitenrändern.
Korrektoren betonen, dass elektronisch erstellte Lösungen deutlich angenehmer zu korrigieren sind. Die klare Struktur erleichtert das Verständnis der Argumentation. Die psychologische Wirkung sollte nicht unterschätzt werden. Eine gut strukturierte, sauber formatierte Lösung macht einen professionelleren Eindruck als eine mehrfach durchgestrichene und mit Verweisen versehene Papierklausur.
Aus Sicht der Prüfer kommt die bereits erwähnte Zeitersparnis hinzu. Zudem entfallen die logistischen Herausforderungen des Papier-Transports. Klausuren müssen nicht mehr physisch zu den Korrektoren gebracht oder per Post verschickt werden. Die digitale Verteilung erfolgt schnell und sicher über die Plattform.
Vorteile im Überblick
Für Kandidaten:
- Einheitliches, gut lesbares Schriftbild
- Bessere Strukturierung durch Copy-Paste-Funktion
- Flexible Umgestaltung der Lösung ohne sichtbare Korrekturen
- PDF-Vorschau für Selbstkontrolle
- Anpassbare Schriftgröße (besonders für Menschen mit Sehschwäche)
- Keine Angst vor unleserlicher Handschrift
Für Korrektoren:
- Etwa ein Drittel weniger Korrekturzeit
- Bessere Lesbarkeit und klarere Struktur
- Automatische Punkteaddition (keine Rechenfehler)
- Digitale Anmerkungen möglich
- Keine logistischen Herausforderungen (Papier-Transport entfällt)
- Schnelle und sichere Verteilung über Plattform
Herausforderungen und offene Fragen
Trotz aller Vorteile gibt es auch Herausforderungen, die nicht verschwiegen werden sollen. Ein wiederkehrendes Thema ist die Lautstärke der Tastaturen. Auch wenn sogenannte Cherry-Tastaturen verwendet werden, die als besonders leise gelten, empfinden manche Kandidaten das Tippgeräusch von 40 oder 50 Personen im selben Raum als störend.
Die Wahrnehmung von Lautstärke ist sehr individuell. Was für den einen kaum wahrnehmbar ist, kann für den anderen eine erhebliche Konzentrationsstörung darstellen. Die Prüfungsstellen sind daher angehalten, bei der Raumplanung darauf zu achten, dass die Arbeitsplätze nicht zu dicht beieinanderstehen. Ausreichend Abstand zwischen den Kandidaten kann dieses Problem deutlich entschärfen.
Eine besondere Herausforderung stellt die Bilanzklausur dar. Die Erstellung einer Bilanz oder von T-Konten ist mit den verfügbaren Tabellenfunktionen zwar möglich, aber nach Ansicht vieler Nutzer noch nicht optimal gelöst. Die Tabellenfunktion wird als ausbaufähig beschrieben. Kandidaten müssen etwas Zeit investieren, um sich mit der Erstellung von Tabellen vertraut zu machen.
Allerdings zeigen die Erfahrungen aus der Praxis, dass dies durchaus erlernbar ist. Teilnehmer, die sich von Anfang an intensiv mit dem digitalen System auseinandersetzen, kommen auch mit der Bilanzdarstellung gut zurecht. Es ist eine Frage der Übung. Wer mehrere Probeklausuren digital schreibt, entwickelt Routinen und Lösungsstrategien, die dann in der echten Prüfung greifen.
Die Korrektoren haben bisher alle digital erstellten Bilanzen und T-Konten problemlos erkannt und bewerten können. Die Darstellung mag optisch etwas anders aussehen als bei einer handschriftlich erstellten Bilanz, aber der Inhalt ist eindeutig erfassbar. Es ist zu erwarten, dass die Softwarehersteller die Tabellenfunktionen weiter verbessern werden, auch auf Basis des Feedbacks aus den bisherigen Prüfungsdurchgängen.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Kann ich während der Prüfung zwischen digital und handschriftlich wechseln?
Nein, die Entscheidung für digital oder handschriftlich muss bei der Anmeldung getroffen werden und gilt dann für alle drei Klausuren des jeweiligen Termins.
Was passiert, wenn mein Laptop während der Prüfung ausfällt?
Es steht sofort ein Ersatzgerät bereit. Sie melden sich mit Ihrer persönlichen Zugangsnummer am neuen Gerät an und können exakt an der Stelle weiterarbeiten, an der das Problem auftrat. Durch die sekündliche Speicherung geht kein Text verloren.
Muss ich das Zehn-Finger-System beherrschen?
Nein, perfektes Zehn-Finger-Schreiben ist nicht zwingend erforderlich. Wichtiger ist eine gewisse Grundgeschwindigkeit beim Tippen und die Routine im Umgang mit der spezifischen Software.
Wie übe ich für die digitale Prüfung?
Sie sollten alle Ihre Übungsklausuren von Anfang an digital schreiben. Nutzen Sie das Demoportal der Bundessteuerberaterkammer, um sich mit den Funktionen vertraut zu machen. Bei examio bieten wir digitale Übungsklausuren unter realistischen Bedingungen an.
Ist die digitale Prüfung schwieriger als die handschriftliche?
Nein, die inhaltlichen Anforderungen sind identisch. Die digitale Variante bietet sogar Vorteile durch bessere Strukturierungsmöglichkeiten. Wichtig ist nur, dass Sie sich rechtzeitig mit der Software vertraut machen.
In welchen Bundesländern kann ich 2026/2027 digital schreiben?
Schleswig-Holstein, Baden-Württemberg, Hamburg, Niedersachsen, Hessen, Berlin, Brandenburg, NRW und Sachsen (dort verpflichtend). Weitere Bundesländer werden in den kommenden Jahren folgen.
Welche Tastenkombinationen funktionieren in der Prüfungssoftware?
Die wichtigsten Standard-Shortcuts funktionieren:
- STRG + A (Alles markieren)
- STRG + C/V (Kopieren/Einfügen)
- STRG + SHIFT + POS1/ENDE
- STRG + Pfeiltasten für Navigation
Nicht verfügbar sind dagegen
- STRG + F (Suchen)
- STRG + H (Ersetzen)
- STRG + B (Fett)
- STRG + U (Unterstreichen)
Formatierungen müssen über die Schaltflächen vorgenommen werden. Praktisch sind ALT-Codes wie
- ALT + 7 (•)
- ALT + 9 (○)
- ALT + 16 (►) zur schnellen Hervorhebung.
Die bundesweite Ausweitung
Nach der erfolgreichen Pilotphase in Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg erfolgt nun die bundesweite Ausweitung. Für den Prüfungstermin 2026/2027, der von Oktober 2026 bis Januar 2027 läuft, werden deutlich mehr Bundesländer die elektronische Prüfung anbieten.
Eine besondere Stellung nimmt Sachsen ein. Als einziges Bundesland bietet Sachsen die digitale Prüfung nicht nur optional an, sondern macht sie verpflichtend. Die genauen Gründe für diese Entscheidung sind nicht im Detail bekannt, aber Sachsen hat diesen mutigen Schritt gewagt. Die Erfahrungen werden zeigen, ob andere Bundesländer diesem Beispiel folgen werden.
Die Mehrheit der Bundesländer wird die elektronische Prüfung alternativ anbieten. Kandidaten können also weiterhin wählen, ob sie handschriftlich oder digital schreiben möchten. Diese Wahlfreiheit ist wichtig für die Akzeptanz, denn nicht jeder fühlt sich mit dem digitalen Schreiben gleichermaßen wohl.
Neben den beiden Pionieren Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg werden für 2026/2027 voraussichtlich folgende Bundesländer die elektronische Prüfung anbieten: Hamburg, Niedersachsen, Hessen, Berlin, Brandenburg und weitere. Rheinland-Pfalz befindet sich aktuell in einer Experimentierphase mit der elektronischen Korrektur und wird voraussichtlich ab dem Prüfungstermin 2027/2028 auch die elektronische Prüfung selbst anbieten.
Bei den übrigen Kammern wird damit gerechnet, dass in den kommenden ein bis zwei Jahren weitere hinzukommen werden. Feste Zusagen liegen noch nicht vor, aber die Tendenz ist klar erkennbar. Mittelfristig wird die elektronische Prüfung in allen Bundesländern verfügbar sein.
Zeitplan der Digitalisierung
2023
- Start des Pilotprojekts in Schleswig-Holstein
- 25-30% der Kandidaten wählen digitale Prüfung
2024
- Baden-Württemberg steigt ein
- Verdopplung der Teilnehmerzahlen in Schleswig-Holstein
2026/2027
- Deutliche Ausweitung: Schleswig-Holstein, Baden-Württemberg, Hamburg, Niedersachsen, Hessen, Berlin, Brandenburg
- Sachsen führt digitale Prüfung verpflichtend ein
2027/2028
- Rheinland-Pfalz voraussichtlich mit dabei
- Weitere Bundesländer in Planung
2028-2030
- Schrittweise Umstellung auf verpflichtende digitale Prüfung
- Baden-Württemberg plant Ende der Übergangsphase 2028/2029
- Bundesweiter Standard bis 2030 erwartet
Der Weg zur verpflichtenden digitalen Prüfung
Mittelfristig ist geplant, die elektronische Prüfung bundesweit als Standard einzuführen. Baden-Württemberg plant beispielsweise, die Übergangsphase voraussichtlich 2028 oder 2029 zu beenden und die elektronische Prüfung dann obligatorisch anzubieten.
Diese Entwicklung hat mehrere Gründe. Zum einen sind die Erfahrungen mit der elektronischen Durchführung durchweg positiv. Zum anderen entstehen durch das parallele Angebot von analoger und digitaler Prüfung zusätzliche Kosten. Es müssen entweder separate Räumlichkeiten bereitgestellt oder die Räume so aufgeteilt werden, dass beide Prüfungsformen parallel stattfinden können. Dies erfordert mehr Aufsichtspersonal und einen höheren organisatorischen Aufwand.
Dennoch wird es realistischerweise noch einige Jahre dauern, bis die elektronische Prüfung überall verpflichtend wird. Bis 2030 erscheint dies als realistischer Zeitrahmen. Dann wird die handschriftliche Steuerberaterprüfung endgültig der Vergangenheit angehören.
Praxistipps für die digitale Prüfung
Vor der Prüfung
Frühzeitig mit der Software vertraut machen
- Demoportal der Bundessteuerberaterkammer nutzen
- Alle Funktionen in Ruhe ausprobieren
- Besonders Tabellenfunktion für Bilanzen üben
Alle Übungsklausuren digital schreiben
- Von Anfang an digital üben, nicht erst kurz vor der Prüfung
- Routinen entwickeln für Strukturierung und Formatierung
- Bei examio bieten wir digitale Übungsklausuren unter realistischen Bedingungen an
Tippgeschwindigkeit überprüfen
- Grundgeschwindigkeit sollte ausreichen
- Zehn-Finger-System ist hilfreich, aber nicht zwingend erforderlich
- Übung macht den Meister
Tastenkombinationen einüben
- Standard-Shortcuts wie STRG + C/V/A beherrschen
- ALT-Codes für schnelle Formatierung kennen (• ○ ►)
- Wissen, welche gewohnten Shortcuts NICHT funktionieren
- Alternative Bedienung über Schaltflächen üben
Während der Prüfung
Strukturiert vorgehen
- Überschriften und Gliederung von Anfang an nutzen
- Copy-Paste-Funktion für Umstrukturierungen verwenden
- PDF-Vorschau zur Selbstkontrolle nutzen
Zeit im Blick behalten
- Zeitanzeige beachten
- Nicht zu viel Zeit mit Formatierung verschwenden
- Inhalt geht vor perfekter Optik
Bei technischen Problemen ruhig bleiben
- Support-Team sofort informieren
- Ersatzgerät steht bereit
- Keine Zeile Text geht durch sekündliche Speicherung verloren
Rechtliche und organisatorische Aspekte
Die Umstellung auf die elektronische Prüfung wirft auch rechtliche und organisatorische Fragen auf. Eine wichtige Frage betrifft die Akteneinsicht. Kandidaten haben nach der Prüfung ein Recht darauf, ihre korrigierte Arbeit einzusehen. Bei Papierklausuren war dies kein Problem – die Unterlagen wurden an einem bestimmten Termin in den Räumen der Kammer zur Einsicht ausgelegt.
Bei elektronischen Klausuren gibt es verschiedene Lösungsmöglichkeiten. Eine Option ist der Ausdruck der digitalen Unterlagen. Dies wäre der einfachste Weg und würde dem bisherigen Verfahren entsprechen. Allerdings wäre es auch denkbar, die Einsicht digital zu ermöglichen. Kandidaten könnten an Bildschirmen in einem Raum bei der Kammer ihre Unterlagen einsehen.
Eine weitere Möglichkeit ist die Übersendung eines geschützten Links, über den die Kandidaten online auf ihre Unterlagen zugreifen können. Dies würde es ihnen ermöglichen, die Einsicht von zu Hause aus vorzunehmen, ohne zur Kammer reisen zu müssen. Allerdings müssten dabei datenschutzrechtliche Fragen geklärt werden.
Die Speicherung der Klausuren erfolgt durchgängig auf der Plattform des Dienstleisters. Es gibt keinen Medienbruch, bei dem Daten hin- und hergeschickt werden müssten. Dies erhöht die Sicherheit erheblich. Der Zugriff der Korrektoren erfolgt über die Plattform, auf der ihnen die zu korrigierenden Arbeiten zugewiesen werden. Nach Abschluss der Korrektur werden die Arbeiten für die Korrektoren wieder unsichtbar und der Prüfungsverantwortliche sieht, dass die Korrektur beendet wurde.
Technische Sicherheit und Datenschutz
Die technische Sicherheit des Systems genießt höchste Priorität. Durch die sekündliche Speicherung auf einem lokalen Server im Prüfungsraum wird sichergestellt, dass keine Daten verloren gehen können. Selbst bei einem kompletten Systemausfall könnten die bis dahin erstellten Texte wiederhergestellt werden.
Das geschlossene WLAN-System verhindert, dass Kandidaten auf externe Ressourcen zugreifen könnten. Es handelt sich um ein isoliertes Netzwerk, das nur die Kommunikation zwischen den Laptops und dem lokalen Server ermöglicht. Ein Zugriff auf das Internet oder andere externe Netzwerke ist technisch ausgeschlossen.
Die Verwendung personalisierter Zugangsnummern stellt sicher, dass jede Arbeit eindeutig dem jeweiligen Kandidaten zugeordnet werden kann. Verwechslungen sind ausgeschlossen. Gleichzeitig ermöglicht dieses System die bereits erwähnte Flexibilität beim Gerätewechsel im Problemfall.
Aus datenschutzrechtlicher Sicht werden alle relevanten Vorgaben eingehalten. Die Daten werden nur so lange gespeichert, wie dies rechtlich erforderlich ist. Der Zugriff ist streng reglementiert und nur befugten Personen möglich. Die Übertragung innerhalb des Systems erfolgt verschlüsselt.
Checkliste für Ihre Vorbereitung auf die digitale Prüfung
6-12 Monate vor der Prüfung:
- ☐ Entscheidung treffen: digital oder handschriftlich?
- ☐ Zugang zum Demoportal der Bundessteuerberaterkammer besorgen
- ☐ Alle Funktionen des Schreibprogramms kennenlernen
- ☐ Erste digitale Übungsklausur schreiben
3-6 Monate vor der Prüfung:
- ☐ Alle weiteren Übungsklausuren ausschließlich digital bearbeiten
- ☐ Besonderes Augenmerk auf Bilanzdarstellung und Tabellen
- ☐ Routinen für Strukturierung und Formatierung entwickeln
- ☐ PDF-Vorschau-Funktion regelmäßig nutzen
1 Monat vor der Prüfung:
- ☐ Prüfungsklausuren unter realistischen Bedingungen digital schreiben
- ☐ Zeitmanagement mit digitaler Zeitanzeige üben
- ☐ Noch einmal
