ZU DEN KURSEN!

Einkommensteuer (Vertiefung) - Abgrenzung des Gewerbebetriebs von der Vermögensverwaltung

Kursangebot | Einkommensteuer (Vertiefung) | Abgrenzung des Gewerbebetriebs von der Vermögensverwaltung

Einkommensteuer (Vertiefung)

Abgrenzung des Gewerbebetriebs von der Vermögensverwaltung

Die Verwaltung von Vermögen ist i.d.R. keine gewerbliche Tätigkeit, solange die Betätigung noch als Nutzung von Vermögen im Sinne einer Fruchtziehung aus zu erhaltenen Substanzwerten darstellt. Die Ausnutzung substanzieller Vermögenswerte durch Umschichtung darf nicht entscheidend sein. Die Nutzung der Vermögenswerte kann aber auch eine gewerbliche Tätigkeitdarstellen, wenn mit Gewinnabsicht eine selbstständige, nachhaltige und nach außen hin hervortretende Tätigkeit entfaltet wird, die über das übliche Ausmaß an Tätigkeiten bei einer Vermögensverwaltung hinausgeht (vgl.R 15.7 Abs. 1 EStR und H 15.7 Abs. 2 „Gewerblicher Charakter der Vermietungstätigkeit“ EStR.

Die Abgrenzung zwischen einer noch nicht als gewerblich einzustufenden Vermögensverwaltung und einem Gewerbebetrieb kann im Einzelfall schwierig sein. Um der Tätigkeit der Vermögensverwaltung gewerblichen Charakter zu verleihen, müssen besondere Umstände hinzutreten. Diese können darin bestehen, dass die Verwaltung des Grundbesitzes in Folge des ständigen und schnellen Wechsels der Mieter eine Tätigkeit erfordert, die über das bei langfristigen Vermietungen übliche Maß hinausgeht, oder dass der Vermieter zugleich Leistungen erbringt, die eine bloße Vermietungstätigkeit überschreiten. Das entscheidende Merkmal liegt also darin, dass die bloße Vermögensnutzung hinter der Bereitstellung einer einheitlichen gewerblichen Organisation zurücktritt.

Der Umfang des vermieteten Grundbesitzes kann sehr umfangreich sein und trotz der enormen Verwaltungsarbeit mit vielen Mietparteien sind es weiterhin Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung. Um der Tätigkeit des Grundstücksbesitzers gewerblichen Charakter zu geben, müssen noch besondere Umstände hinzutreten. Ohne Bedeutung ist hierbei, ob die Verwaltung des umfangreichen Grundbesitzes nach kaufmännischen Grundsätzen geführt wird und zu welchen Zwecken die vermieteten Gebäude eingesetzt werden.

Eine Vermögensverwaltung ist z.B. nicht mehr anzunehmen, wenn eine einem Beherbergungs-betrieb vergleichbare Organisation vorhanden ist oder wenn wesentliche Sonderleistungen (z.B. Werbe-, Service- und Wartungsleistungen) erbracht werden (vgl. auch H 15.7 Abs. 2 (Gewerblicher Charakter der Vermietungstätigkeit) EStH und R 15.7 Abs. 1 und Abs. 2 EStR).

Beispiele für besondere Umstände:

  • ständiger Mieterwechsel zwingt zu Tätigkeit, die über eine normale Vermietung hinausgeht (kurzfristige Nutzung angelegt, hotelmäßige Organisation)
  • Vermietung erfolgt auch ohne Voranmeldung, ähnlich einem Hotel
  • Vermieter erbringt Leistungen, die über eine normale Vermietung hinausgehen

Bei der Abgrenzung der Einkunftsart ist also zu prüfen, ob die Verwaltung des Grundbesitzes eine fortgesetzte Tätigkeit erfordert, die über das Maß der üblichen Vermietertätigkeit hinausgeht, wie z. B die Erreichbarkeit des Vermieters wegen des ständigen und schnellen Wechsels der Mieter, eine hotelmäßige Organisation, oder dass der Grundstücksbesitzer den Mietern gegenüber besondere Verpflichtungen übernimmt, wie Herrichtung des Gebäudes für die besondere Art der Verwendung und Übernahme der Reinigung der vermieteten Räume.